Durchs Erdkabel zur Steckdose

Weizenfeld. Foto Pixelquelle.de

Erdkabel-Technik

Anders als Freileitungen brauchen Erdkabel eine robuste Isolierung. Der Kupfer- oder Aluminiumkern steckt in einem Kunststoffmantel, der die Leitung vor Tieren und Chemikalien im Boden schützen soll. Außerdem wird das Kabel in eine Sandschicht eingebettet. Durch die Verlegung mehrerer Kabel kann die Kapazität beliebig erhöht werden.
Das Ganze muss so tief im Erdreich verschwinden, dass ein Kontakt zum Beispiel mit landwirtschaftlichen Maschinen ausgeschlossen ist.

Erdkabel verhalten sich im Stromnetz anders als Freileitungen. So muss beispielsweise der nicht nutzbare, aber für die Übertragung notwendige Blindstrom kompensiert werden, der bei der Übertragung per Erdkabel benötigt wird. Das geschieht in kleinen Stationen, die alle 5 bis 40 Kilometer entlang des Erdkabels stehen.

Pilotprojekte nach Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG)

Bei der Planung neuer Leitungen müssen die Netzbetreiber die Wirtschaftlichkeit berücksichtigen. Konkrete Vorgaben enthält das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG). Neue Leitungen ab der 220/380 kV-Ebene wurden daher in Deutschland bislang fast ausschließlich als Freileitungen beantragt und geplant. Folglich existieren in Deutschland bisher Erdkabel nur auf kurzen Teilabschnitten im Höchstspannungsnetz.

Bei der Planung neuer Leitungen müssen die Netzbetreiber die Wirtschaftlichkeit berücksichtigen. Neue Leitungen auf der Höchstspannungsebene (220/380 kV) wurden aus technischen und aus Kostengründen bislang meist als Freileitungen geplant und gebaut.

Vier 380-kV-Teilkabel-Strecken im Test

Um die von Anwohnern oft geforderte Erdkabelverlegung von 380 kV-Leitungen in Pilotprojekten zu testen, ermöglicht das Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) seit 2009 die Teil-Erdverkabelung von vier geplanten Höchstspannungstrassen, drei verlaufen in Niedersachsen, die vierte durch den Thüringer Wald.

In Dänemark und in einer Reihe von Großstädten sind bereits einzelne Höchstspannungsleitungen teilweise als Erdkabel verlegt oder geplant.

Neue 110-kV-Erdkabel-Regelung

Mit der neuen Energiegesetzgebung vom Sommer 2011 soll die Erdverlegung für neue 110 kV-Leitungen der Regelfall werden, sofern die Mehrkosten das 2,75fache von Freileitungen an selber Stelle nicht übersteigen.

Kosten der Erdkabel-Verlegung

Erdkabel-Verlegung. Foto: ABB

Kein Zweifel: Es ist teurer, dicke Höchstspannungskabel unterirdisch zu führen als dafür eine Freileitung zu bauen. Die Höhe der Kosten hängt zu einem erheblichen Teil davon ab, wie der Untergrund beschaffen ist: In einem felsigen Gelände ist der Aufwand ganz erheblich höher als in einer Marschlandschaft oder in sandigem Gelände.

Dagegen sind die Betriebskosten von Erdleitungen günstiger. Doch sie können den hohen Investitionsaufwand auf der 380 kV-Ebene nicht ausgleichen. Wie hoch die Mehrkosten für Erdkabel sind, ist schwer abzuschätzen. Weder in Deutschland noch international gibt es dazu genug Erfahrungen. mehr

Natur und Umwelt

Kranichzug. Foto Pixelquelle.de

Im Unterschied zu Freileitungen stehen die Auswirkungen von Erdkabeln weniger im Fokus der Kritik. Hier überwiegen beim Erdkabel ohne Zweifel die Vorteile. Die Tierwelt ist von unterirdisch verlegten Kabelsträngen ohnehin kaum betroffen. Inwiefern sich der Betrieb solcher Leitungen auf Pflanzen auswirkt, ist jedoch nicht endgültig erforscht.

Ob Erdkabel überhaupt erhebliche ökologische Auswirkungen haben, hängt stark von der jeweiligen Topografie ab. In einer Berglandschaft stören die Verlegearbeiten den Naturhaushalt. In Feuchtgebieten und Mooren kann die Wärmeentwicklung der Erdkabel den Lebensraum kleinflächig verändern und damit die natürliche Flora und Fauna verdrängen.

Während der Verlegearbeiten im Erdreich wird im Boden oft eine Schneise durch einen zusammenhängenden Lebensraum gezogen. Inwiefern Moor- und Feuchtgebiete durch die Stränge in Teilen Trocken gelegt werden, muss in jedem Einzelfall untersucht werden. Erdkabel mit Höchstspannung erwärmen außerdem den Boden. Dies kann sich ebenfalls auf das Wachstum einzelner Pflanzenarten auswirken.

  • Keine Gefährdung von Vögeln
  • Bis auf eine Trasse, die frei von Bäumen gehalten werden muss, wird das Landschaftsbild nicht beeinträchtigt.
  • Erdkabel sind nicht gefährdet durch Blitzschlag, Eis- und Schneestürme.
  • Das magnetische Feld direkt über einer Erdkabelleitung ist zwar höher als das direkt unter einer Freileitung. Doch es schwächt sich zur Seite hin viel schneller ab.