100.000 Wind- und Sonnenkraftwerke im ganzen Land

Ehemaliges Munitionslager im Hunsrück wird
als Energielandschaft Morbach genutzt.
Foto Gemeinde Morbach

Die Stromerzeugung der Zukunft ist vielfältig – ein sich ergänzendes Puzzle aus Sonne, Wind, Wasser, Erdwärme und Biomasse. Es werden jeweils die Energieträger genutzt, die in der Region aufgrund der geografischen und klimatischen Gegebenheiten vorhanden sind.

An sonnigen Standorten produzieren Photovoltaikanlagen auf Dächern und Freilandanlagen Solarstrom. Windräder liefern große Strommengen auf See, an der Küste und auch an windreichen Standorten im Landesinneren.

Die Stromerzeugung aus Biomasse ist zwar nicht unmittelbar abhängig vom Wetter, jedoch von den verfügbaren Mengen an Holz, Mais, Raps oder Gülle. Bioenergie-Kraftwerke stehen deshalb meistens in ländlichen Regionen. Wasserkraftwerke brauchen selbstverständlich ein rasch fließendes Gewässer oder ein starkes Gefälle, entsprechend konzentrieren sie sich an Flüssen und in den Bergen.

Pumpspeicher-Kraftwerk in Norwegen.
Foto Quentin, DUH

Die große Herausforderung besteht darin, die Erneuerbaren Energien mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften intelligent zu kombinieren und in das Stromsystem zu integrieren. Erzeugung und Verbrauch müssen aufeinander abgestimmt werden. Und ganz wichtig: Die Speichertechniken müssen angepasst und weiter entwickelt werden, damit die kostbare Energie nicht nur zum Zeitpunkt  der Erzeugung, sondern auch später genutzt werden kann.

Strom wird am günstigsten und einfachsten dort genutzt, wo er erzeugt wird, und dann, wenn er erzeugt wird. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach kann ein Gebäude tagsüber mit Strom versorgen, ein Biogas-Blockheizkraftwerk Strom und Wärme für ein Dorf liefern. Dabei müssen die Stromerzeugung und der Stromverbrauch allerdings jederzeit übereinstimmen.

Das können weder Hausbesitzer noch Kommunen allein leisten. Deshalb ist es notwendig, dass ein zukunftsfähiges Stromnetz den klimafreundlichen Strom aus Biomasse, Sonne, Wind und Wasser jederzeit aufnehmen und weiterverteilen kann. Zu jeder Zeit muss sichergestellt sein, dass die Lichter nicht ausgehen, wenn der Wind gerade nicht weht oder die Sonne nicht scheint.

Erneuerbare Energie - zentral und dezentral

Besonders im Norden wird die
klimafreundliche Windkraft weiter ausgebaut.
Foto Petersen, Pixelio.de

Neben dezentralen Kleinerzeugern wird es in Zukunft auch große Anlagen geben, die große Mengen Strom aus Erneuerbaren Energien liefern. Viel Elektrizität an einem Ort entsteht in großen Windparks. Ihre Standorte sind windreiche, eher dünn besiedelte Regionen Nord- und Ostdeutschlands sowie das offene Meer (Offshore).

Der Strom muss von Norden und Osten in den Süden

In Deutschland sind die nördlichen Bundesländer Niedersachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein die größten Windenergieproduzenten. Da dort bereits heute häufig mehr Strom erzeugt als verbraucht wird, muss er in die großen Ballungsräume im Süden und in der Mitte Deutschlands weitergeleitet werden. Auch dafür braucht das Land neue Stromleitungen.

Den europaweiten Stromhandel ausbauen

Und noch etwas. Im freien Europa trägt der Europäische Stromverbund zunehmend zu einer sicheren Versorgung in allen Ländern des Kontinents bei. Mit einer engeren Verknüpfung der nationalen Netze können die Schwankungen bei der Stromerzeugung aus den unterschiedlichen Erneuerbaren Energien besser ausgeglichen werden: Irgendwo in Europa weht immer der Wind.

Besonders wichtig ist außerdem die Vernetzung der Windenergie mit den Wasserkraftwerken in den Alpen und in Skandinavien. Durch ihre Kombination können saisonale Schwankungen bei der Strombereitstellung häufig aufgefangen werden. mehr