Gesundheit, Grenzwerte und Vorsorge

Das elektrische Feld lässt sich leicht durch Bäume oder Hauswände abschirmen und es dringt in den menschlichen Körper kaum ein. Das magnetische Feld lässt sich dagegen nur schwer abschirmen. Es durchdringt Hauswände und auch den menschlichen Körper. Dabei verursachen Magnetfelder  zusätzliche Ströme im Körper, die Nerven- und Muskelzellen anregen können. Auf Grundlage von Körperströmen werden Grenzwerte für die magnetische Flussdichte festgelegt.

Zu den möglichen Auswirkungen zählen geringfügig erhöhte Risiken, an Alzheimer, Demenz oder Krebs zu erkranken, sowie Kopfschmerzen oder Allergien 4. Ob elektromagnetische Felder die Ursache dieser Erkrankungen sind, ist aber nach wie vor umstritten. Obwohl in Tierexperimenten und Untersuchungen an Zellen Auswirkungen von Magnetfeldern beobachtet wurden, ist der biologische Wirkungsmechanismus bislang nicht geklärt.

Medizinische Geräte wie Herzschrittmacher und andere elektronische  Implantate reagieren empfindlich auf elektromagnetische Felder. Schon bei magnetischen Feldern einer Stärke von 20 Mikrotesla können Störungen von
Herzschrittmachern auftreten. Dieses Problem wird von der  Strahlenschutzkommission thematisiert. Sie empfiehlt an Orten, die Trägern von elektronischen Implantaten zugänglich sind und an denen ein Ausweichen nicht zumutbar ist, sehr viel niedrigere Werte für Magnetfelder von 10 bzw. 15 µT nicht überschritten werden sollten.

In Deutschland werden die Grenzwerte für elektromagnetische Felder in der 26. Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) geregelt. Für Hoch- und Höchstspannungsleitungen gilt ein Grenzwert für die magnetische Flussdichte von 100 Mikrotesla bei maximaler Anlagenauslastung. Der Grenzwert darf an allen Orten des dauerhaften Aufenthalts nicht überschritten werden.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) als zuständige Behörde und die deutsche Strahlenschutzkommission (SSK) als unabhängiges Wissenschaftlergremium empfehlen eine weitergehende Vorsorge: So sollte z. B. ein möglichst großer
Abstand von Leitungen zu Wohngebäuden eingehalten werden. Große Abstände von Stromleitungen zu Siedlungen sind daher sinnvoll. Außerdem gibt es technische Aspekte beim Bau von Strommasten, z. B. Höhe der Masten und Abstand der einzelnen Leiterseile zueinander, die elektromagnetischer
Felder reduzieren können.

In anderen euröpäischen Ländern gelten zum Teil andere Bestimmungen in Bezug auf elektromagnetische Felder.

Feldstärken im Bereich einer 380-kV-Freileitung

In Wohnungen nahe einer 380-kV-Freileitung wurden z.B. folgende Werte gemessen: 30 Meter Abstand zur Leitung: 2,2 μT, 85 Meter Abstand: 0,2 μT

nach: Neitzke, Osterhoff, Voigt, (2010) - Ressortforschungsberichte zur kerntechnischen Sicherheit und zum Strahlenschutz, 2. korrigierte Auflage, i. A. des Bundesamt für Strahlenschutz

Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz